KINDER-GLAUKOM-ZENTRUM MAGDEBURG

Kindliches Glaukom

Was ist das kindliche Glaukom?

Das Glaukom oder auch der Grüne Star ist eine Augenerkrankung, die häufig mit einem erhöhten Augeninnendruck verbunden ist und unbehandelt zu Sehbeeinträchtigungen führen kann. Bei Kindern ist das Glaukom in den meisten Fällen angeboren (kongenital); es kann sich aber auch im Verlauf von anderen Augenerkrankungen (wie z. B. nach Linsen-Operationen) oder nach Verletzungen entwickeln.

Auch Jugendliche können vom Grünen Star betroffen sein. Das kongenitale Glaukom hat seine Ursache in der Fehlbildung im Abflusssystem des Auges. Es kommt zu einem Stau von Kammerwasser im Augeninneren und damit zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks. Da das kindliche Auge noch sehr weich ist, ist eines der Frühzeichen dieser Erkrankung, dass die Augen größer werden und im Durch­­­­messer zunehmen. Das bedeutet, dass einerseits der Hornhautdurchmesser zunimmt, andererseits die Augenlänge über den natürlichen Verlauf hinaus steigt. Die Behandlung des kongenitalen Glaukoms ist stets eine chirurgische. Das angeborene kindliche Glaukom unterscheidet sich deshalb wesentlich vom sogenannten Offenwinkel­glaukom des Erwachsenen, welches zunächst mit Tropfen behandelt wird. Bei Kindern ist die erste Stufe eine operative Maßnahme, bei der die fehlerhaften Gewebsverwachsungen entfernt werden. Den erfahrenen Augenchirurgen stehen heute mehrere Methoden für die Operation des kindlichen Glaukoms zur Verfügung (siehe Therapie).

Auge_Aufbau

Abbildung 1: Normaler Aufbau des Auges.

Wie kommt es zur Ausbildung des kindlichen Glaukoms?

Das sogenannte Kammerwasser, das den Druck im Inneren des Auges aufrecht erhält, wird im Ziliarkörper (Strahlenkörper) gebildet, fließt durch die Pupille, um dann im Kammer­winkel (gebildet aus Hornhaut und Regenbogenhaut) durch das Trabekelmaschenwerk abzufließen (siehe Abb. 2). Von dort gelangt das Kammerwasser über den Schlemmschen Kanal in die äußeren Venen des Auges und wird dann abtransportiert.

Zur Ausbildung des kindlichen Glaukoms kommt es, weil der Abflussweg des Kammer­wassers durch eine Membran, die sich vor dem Trabekelmaschenwerk befindet, behindert ist.

Normaler Fluss des Kammerwassers

Abbildung 2: Schematische Darstellung des normalen Kammerwasserflusses. Das Kammerwasser dient der Ernährung von Augenlinse und Hornhaut sowie der Ableitung von Stoffwechselprodukten. Außerdem ist es für die Aufrechterhaltung des (normalen) Augeninnendrucks mitverantwortlich. Es wird vom sogenannten Ziliarkörper gebildet und fließt dann zwischen Linse und Regenbogenhaut (unterer Pfeil) durch die Pupille in die Augenvorderkammer. Von dort aus fließt es durch das Trabekelmaschenwerk in den dahinter liegenden Schlemm'schen Kanal (oberer Pfeil). Dieser ist über Abflusskanälchen an die äußeren Augenvenen angeschlossen, so dass das Kammerwasser letztendlich im Blutkreislauf landet. Beim primären angeborenen Glaukom ist das Trabekelmaschenwerk unvollständig ausgebildet und durch eine Membran verlegt. Dadurch kann das Kammerwasser nicht abfließen und es kommt zum Anstieg des Augeninnendrucks.

Wie wird das kindliche Glaukom festgestellt?

Das kongenitale Glaukom bei Kindern fällt zumeist Hebammen oder den Eltern selbst auf. Die Kinder können Augenschmerzen entwickeln aufgrund des hohen Augendrucks. Sie können durch Hornhauttrübungen schlechter sehen und sind insgesamt vom Verhalten „unleidlich“. Sie haben keine Lust zu spielen oder auch zu essen, manche haben wenig Appetit und können deshalb unter Gedeihstörungen leiden. Ein Großteil der betroffenen Kindern ist auch lichtscheu. Die überdurchschnittlich großen Augen und Hornhautdurchmesser fallen erst später auf. Die Kinder fallen hier oft durch ein Raster, da sie sehr „schöne große Augen“ haben (siehe Abb. 3). Sind erste Verdachtsmomente eines angeborenen Glaukoms gestellt, muss möglichst rasch eine Narkoseuntersuchung erfolgen. Bei dieser Untersuchung wird der Augen­innen­druck gemessen, der Hornhautradius bestimmt, die Länge des Augapfels fest­gestellt sowie eine intensive Befundung aller Strukturen des kindlichen Auges vorgenommen. Oft, aber nicht immer wird während dieser ersten Narkoseuntersuchung bereits die Indikation zur Operation gestellt, und es ist nicht selten, dass diese erste Untersuchung auch gleich der erste Operationstermin ist. Bei diesem Eingriff versucht der Augenchirurg, die krankhaften Gewebe zu entfernen und den Kammerwasserfluss aus dem Auge wieder herzustellen. Es handelt sich somit um eine Augeninnendruck senkende Operation.

Buphthalmus

Abbildung 3: Kleinkind mit Buphthalmus (auch: Hydrophthalmus oder "Ochsenaugen"). Durch den hohen Augeninnendruck vergrößern sich die während der kindlichen Entwicklung noch weichen Augenhornhäute. Oft wirken diese dann als besonders "schön und groß", was nicht selten zur Verzögerung der Diagnosestellung führt.